Warum ich fotografiere – und warum ich meine Bilder zeige
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Seit meiner Kindheit begleitet mich die Fotografie. Sie war nie nur ein Hobby, sondern immer auch eine Art, die Welt zu begreifen. Heute, mit 64 Jahren, hat sich daran nichts geändert – im Gegenteil: Die Kamera ist für mich zu einem Werkzeug geworden, mit dem ich nicht nur sehe, sondern verstehe, erinnere und hinterfrage.
Die Bilder, die auf diesem Blog entstehen und ihren Platz finden, sind deshalb keine zufälligen Momentaufnahmen. Sie sind das Ergebnis eines langen inneren Dialogs zwischen Wahrnehmung und Ausdruck. Jedes Motiv trägt eine Spur dessen, was mich im Augenblick des Auslösens bewegt hat – sei es ein Licht, eine Struktur, eine Stimmung oder ein kaum greifbarer Gedanke.

Dabei bewegt sich meine Arbeit zwischen zwei Polen: dem Künstlerischen und dem Dokumentarischen. Einerseits versuche ich, das Sichtbare zu interpretieren, zu abstrahieren und in eine eigene Bildsprache zu übersetzen. Diese Haltung verbindet meine Fotografie mit meiner Malerei. In beiden Ausdrucksformen geht es mir um Reduktion, um das Wesentliche hinter der Oberfläche, um das Spiel von Form, Farbe und Raum.

Andererseits ist jedes Bild auch ein Dokument. Es hält einen Moment fest, der so nie wiederkehren wird. Selbst die abstraktesten Aufnahmen haben ihren Ursprung in der Realität – sie sind Spuren von etwas, das existiert hat. In diesem Sinne ist meine Fotografie auch ein stilles Archiv meines Lebens und meiner Wahrnehmung der Welt.
Der Name dieses Blogs – Eidetik – ist dabei mehr als ein Titel. Er verweist auf die Fähigkeit, Bilder nicht nur zu sehen, sondern sie innerlich lebendig zu halten. Eidetische Wahrnehmung bedeutet für mich, dass ein Bild über den Moment hinaus wirkt – dass es sich einprägt, nachhallt und im Betrachter eigene Assoziationen hervorruft.
Genau das ist mein Anliegen: Bilder zu schaffen, die nicht nur betrachtet, sondern erinnert werden. Bilder, die einen Raum öffnen, in dem sich Wahrnehmung und Vorstellung begegnen.

Warum ich diese Bilder online stelle? Vielleicht, weil Sehen immer auch ein Teilen ist. Ein Bild gewinnt eine neue Dimension, wenn es von anderen Augen gesehen wird. Es wird ergänzt, verändert, weitergedacht.
So ist dieser Blog kein abgeschlossenes Werk, sondern ein offener Prozess. Eine Einladung, meine Sicht der Dinge nachzuvollziehen – und vielleicht die eigene zu hinterfragen oder neu zu entdecken.
Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit ist das Experimentieren mit neuen technischen Möglichkeiten – dazu gehört auch die Arbeit mit künstlicher Intelligenz. Ich habe begonnen, KI nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung meines künstlerischen Werkzeugs zu begreifen. So wie einst die digitale Fotografie neue Wege eröffnet hat, bietet auch die KI eine eigene Form der Bildfindung.

Mich interessiert dabei weniger das Spektakuläre oder Zufällige, sondern die Frage, ob und wie sich mit diesen Mitteln eine eigenständige, künstlerisch tragfähige Bildsprache entwickeln lässt. Ich nutze KI bewusst, mit Erfahrung, Intuition und einem gewachsenen ästhetischen Verständnis – als jemand, der seit Jahrzehnten mit Bildern arbeitet.
Auch hier bleibt der Anspruch derselbe: Bilder zu schaffen, die mehr sind als bloße Effekte. Es geht mir um Tiefe, um Resonanz, um das Zusammenspiel von Idee und Wahrnehmung. Die KI eröffnet dabei neue Räume – aber sie ersetzt nicht den Blick, nicht die Entscheidung, nicht das künstlerische Urteil.
In diesem Sinne ist auch die Arbeit mit KI Teil meines fortlaufenden Dialogs mit dem Bild: ein Versuch, die Grenzen des Mediums auszuloten und gleichzeitig meiner eigenen visuellen Handschrift treu zu bleiben.

Pferde nehmen in meinem Leben einen besonderen Platz ein. In ihrer Gegenwart finde ich eine Ruhe und einen Frieden, die im starken Kontrast zur oft hektischen und lauten Welt stehen. Sie begegnen dem Menschen ohne Verstellung – mit einer Klarheit und Ehrlichkeit, die unmittelbar spürbar ist. Der Umgang mit ihnen verlangt Vertrauen und Respekt, aber er schenkt auch genau das zurück. Diese Erfahrung verändert den Blick auf die eigene Umwelt: leiser, aufmerksamer, achtsamer. Vielleicht ist es gerade diese unverfälschte Begegnung, die mir immer wieder hilft, mich selbst und die Welt um mich herum neu und bewusster wahrzunehmen.